Bildung & Wissenschaft Rudolf-Steiner-Schule Ismaning
09.07.2020

„Ein bisschen Michelangelo in Ismaning”

Corona durchkreuzte auch die jährliche Abschlussarbeit in der Toskana. Denn jedes Jahr fährt die 12. Klasse üblicherweise nach Santa Maria bei Florenz und erarbeitet in einem Bildhauerpraktikum eine eigene Skulptur aus Stein. Dieses Jahr war dies undenkbar und so ließen sich unsere Schülerinnen und Schüler die Marmorsteine, natürlich aus Carrara, zusammen mit der Waldorfschule Schwabing nach Ismaning an unsere Schule liefern. Aber auch ein geeignete, wettersicherer Platz musste geschaffen werden. Herr Thomas, ehemaliger Schüler und jetziger Schulvater, unterstützte die Arbeit tatkräftig mit dem Verleih und Aufbau von großen, weißen, sternförmigen Sonnensegeln, unter denen die Werkstätten einen sicheren und hellen Platz fanden. Unser herzliches Dankeschön dafür senden wir an die Firma Bavaria Zelte in Forstinning. Nun konnte sich unsere 12. Klasse wie Michelangelo fühlen und intensiv in den kreativen Prozess für die Gestaltung einer eigenen Skulptur eintauchen. Johannes Baum begleitete das Steinmetzpraktikum als freiberuflicher Künstler nun schon zum zweiten Mal und genoss einen intensiven künstlerischen Austausch mit den Schülerinnen und Schülern. Seine pädagogischen und künstlerischen Fähigkeiten, insbesondere die sehr ausgefallene Aufstellung der Skulpturen sind sehr geschätzt. Die Metallplatten verdanken wir Emmanuel, der diese an unserer Schule geschweißt hat.


Und wie entsteht eine Mamorskulptur?


Zunächst wird der Stein geschält, gesund geschlagen. Man bekommt ein erstes Gespür für das Material und die Werkzeuge. Gearbeitet wird mit Spitz- und Zahneisen. Dann werden Ideen gesammelt und eine Fläche wird gespannt. Die Kanten werden bestimmt und bearbeitet.  Zwischendurch muss man einige Schritte zurück treten, die Form rundum gut betrachten, um den nächsten Schlag richtig zu setzen. Denn ein Zurück erlaubt der Stein nicht. Machmal kommen auch Maschinen zum Tragen, wenn die Schüler*innen klare Formideen haben und große Schnitte notwendig sind, um stärker in die Plastizität zu kommen. Am Schluss kann man dem Mamor mit dem Polieren eine leuchtend, glänzend weiche Oberfläche verleihen, welche die Maserung des Steines erscheinen lässt. 


Das Steinmetzpraktikum ist der krönende Abschluss einer langen, bedachten, zwölfjährigen künstlerischen Ausbildung, die mit der Gestaltung aus Ton über Holz, Metall, dem Zeichnen und dem Malen die Schullaufbahn an unserer Waldorfschule prägt. Der Tagesablauf der elf Tage war lang, von acht Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags und abwechselnd mit dem Epochenunterricht in Chemie.


Das ganze Projekt wäre nicht so gut gelaufen, wenn nicht unsere Werk- und Zeichenlehrerin Frau Nadolny Tag und Nacht organisiert und Frau Kink für eine feine Mittagskost gesorgt hätte.


Und ohne der “material prima”, dem Rohstoff, gäbe es diese wunderbaren Skulpturen nicht. Wir schickten unserem Mamorlieferanten Massimo aus Seravezza gleich Fotos der Skulpturen und er erwiderte mit begeisterten Komplimenten “Complimenti a voi ed agli studenti“. Massimo konnte die Marmorsteine trotz schwieriger Grenzsituationen liefern. Er hat unsere grenzenlose Bewunderung.


Die Skulpturen sind vom 6.-17.7. (Montag bis Freitag) von 14-16 Uhr im Foyer des Haupthauses ausgestellt. Kommen Sie vorbei! Bitte denken Sie an den Mundschutz.

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